Barlog - 17. EKKT 03b Branche 05.07.2013von Dr. Stefan Albus 1 Bewertung(en) Rating

Alles, nur nicht oberflächlich!

Das Thema "Oberfläche" lockte etwa 300 Besucher auf den 17. Engelskirchener Kunststoff-Technologie-Tag (EKTT) bei Barlog.

 - Peter Barlog, Geschäftsführer der Barlog Plastics GmbH. „Es gibt kaum noch Produkte, die sich über Technik durchsetzen. Design macht den Unterschied!“
Peter Barlog, Geschäftsführer der Barlog Plastics GmbH. „Es gibt kaum noch Produkte, die sich über Technik durchsetzen. Design macht den Unterschied!“
Ruth Albus

Hand aufs Herz: Wer möchte seinen siebzehnten Geburtstag ausgerechnet mit einer Physikstunde beginnen? Nun: Bei der Barlog-Gruppe traut man sich das. Geburtstagskind war allerdings auch kein echter Teenie, sondern der von Barlog ausgerichtete Engelskirchener Kunststoff-Technologie-Tag, der dieses Jahr mit Karacho in die 17. Runde ging. "Der erste Kunststoff-Technologie-Tag war eigentlich aus der Not geboren“, erklärt Peter Barlog, Geschäftsführer der Barlog Plastics GmbH. "Wir waren damals nur wenige Leute und hatten überlegt, welche der wichtigen Branchenmessen wir besuchen sollten. Dann kam uns die Idee, stattdessen eine Hausmesse zu organisieren.“

Von der Hausmesse zum Technologie-Kongress

Mit den Jahren ist diese Idee zu einem veritablen kleinen Branchen-Event herangewachsen – für viele der Besucher inzwischen ein jährliches "Muss“. Was daran liegen kann, dass Barlog sich hier nach den Worten seines Geschäftsführers nicht in den Vordergrund spielen will – so musste man unter den 47 Ausstellern, die einen guten Querschnitt durch das Know-how der Spritzguss- und Kunststoff-Branche boten, nach einem Barlog-Stand auch lange suchen. "Die Veranstaltung soll sich für die Kunden lohnen – wir wollen kein Geld verdienen mit dieser Tagung“, so Peter Barlog.

Dabei darf man getrost davon ausgehen, das nicht nur dieses seltene Understatement die rund 300 Teilnehmer ins entlegene Lindlar geführt hatte: Auch das Vortragsprogramm dürfte einen wesentlichen Anteil an der Resonanz gehabt haben. "Ein hohes Niveau gehört ganz bewusst zum Konzept“, so Barlog. So sucht er im Vorfeld gezielt Referenten aus, die bereit sind, ein hohes Niveau zu liefern. Dünn wird die Luft trotzdem nicht: "Wir haben mehr Bewerber als Plätze.“ Zu denen, die es dieses Jahr geschafft haben, Neues zum Tagungsthema "Design und Oberflächen“ beizutragen, gehörte neben Frank Barlog von der ehemaligen Barlog-Anwendungstechnik, die seit einiger Zeit unter dem Namen BaHsys firmiert und auf eigenen Beinen Erfolge feiert, unter anderem Jörg Günther vom Kunststoff-Institut Lüdenscheid, der im Schnelldurchlauf zeigte, wie man Kunststoff-Teile noch schicker machen kann.

Langweilige Produkte kauft niemand mehr

Am Beispiel Handy etwa zeige sich, so Günther, woher der Wind weht: Vor wenigen Jahren noch war die Akkulauf- bzw. die Standbyzeit der entscheidende Punkt beim Marketing. Heute ginge es den Kunden vor allem um Wertigkeit. Selbst Joghurtverpackungen werden heute nach "Schönheit“ gekauft – nach den öden Papp-Bechern vergangener Jahrzehnte würde heute niemand mehr greifen. Ob Chrom-, Wurzelholz- oder Klavierlack-Optik im Auto, schrillbunte Konsumgüter, Carbonfaser-Outfit für Gebrauchsgüter oder Leuchtelemente in Kaffeemaschinen – überall lockt Design. "Wir kommen daher in keinem Bereich mehr ohne Oberflächentechnik aus“, so Günther. "Hier tut sich eine Menge!“ Gut also, wer sich in der Galvanisierung, in Printed Electronics – Stichwort OLEDs – oder Lackieren im Spritzgusswerkzeug auskennt.

 - Diskussionen an den Ständen gehörten auch dieses Jahr dazu – Impressionen bei EMS-Grivory
Diskussionen an den Ständen gehörten auch dieses Jahr dazu – Impressionen bei EMS-Grivory
Ruth Albus

Auch andere Referenten geizten nicht mit guten Ideen: Von Sumitomo Demag etwa war einiges über eine neue Combo aus In-Mould-Decoration (IMD) und In-Mould-Labelling (IML) zu erfahren – nach Aussage des Referenten Thomas Brettnich eine Weltneuheit, ideal etwa für spritzgegossene Multitouch-Displays. EMS-Mann Stephan Wick stellte amorphe Polyamide für Hochglanz-Anwendungen im Auto vor – im Falle des teilaromatischen Typs Grilamid TR30 sogar kratzbeständig. Eine von vielen Hingucker-Anwendungen: Ein Lichtzierstab, der bei Tageslicht elegant schwarz erscheint und nach Einbruch der Dämmerung per Hinterleuchtung geheimnisvoll glüht. Und Andreas Baumbach von der Saxonia Galvanik glänzte mit ausgesprochen praxisnahen Tricks, die helfen können, die Qualität galvanisierter Teile zu steigern.

Fertigung in Deutschland halten

"Oberflächen entscheiden über die Wertigkeit", erklärt Peter Barlog. "Je näher ein Produkt am Verbraucher ist, desto eher kann man sich darüber abgrenzen und dem Preisdruck etwas entgegensetzen. Für Kunststoff-Verarbeiter ist es sehr wichtig, ihren Kunden diese Vorteile erzeugen zu können.“ Jörg Günther geht sogar noch weiter: „Über schöne Oberflächen können wir die Fertigung auch in hiesigen Gefilden halten“.

Und die erwähnte Physik-Stunde? Eigentlich gab es gleich zwei: Schon zur Tagungs-Eröffnung dirigierte Christian Schumacher, Schulungsleiter der Barlog-Akademie, Beethovens neunte Symphonie – vom Publikum dargeboten auf zuvor ausgeteilten K-Röhrchen. In der Mittagspause ging es dann etwas heftiger zur Sache – mit einem "großen Knall“, der zeigte, dass man selbst stabile Stahlfässer mit Hilfe von etwas Wasser und Feuer zerknüllen kann wie ein Taschentuch.

 
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